Ursachen von Haarausfall
Erblich bedingter Haarausfall
Ursache für erblich bedingten Haarausfall (alopecia androgenetica.) ist das Hormon DHT (Dihydrotestosteron). Hierdurch hervorgerufener Haarausfall tritt nur dann auf, wenn die betreffende Person einen bestimmten genetischen Code in ihren Chromosomen aufweist. Dieser Code, der für die Kahlheit verantwortlich ist, wird von einem einzelnen Gen oder von einer Gruppe von Genen getragen und wird entweder von der Mutter oder dem Vater vererbt. Allerdings nicht jeder der das Haarausfall-Gen in sich trägt muss mit Sicherheit auch kahl werden.
Um die androgenetische Alopecia zu aktivieren, muss das Gen für eine Kahlheit in der betreffenden Person " aktiv" sein. Die Aktivierung eines bestimmten Gens oder mehrerer Gene hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab, wie Hormone, Alter, Stresslevel usw. Wenn sich bei einer Person also keine Glatze entwickelt, kann die Ursache dafür entweder die Abwesenheit dieses Gens oder seine fehlende Aktivierung sein. Mit aller Gewissheit kann gesagt werden, dass das androgenetische Alopecia-Gen für die Produktion von männlichen Hormonen (z.B. Testosteron) verantwortlich ist, die sich auf den Haarfollikeln befinden.
Chemische Formel für Testosteron
(C19H28O2)
5-Alpha Reductase ist das Enzym, das Testosteron in eine aktivere Form, das
Dihydrotestosteron (DHT), umformt, welches sich im Gegenzug an die Androgenrezeptoren an den Haarfollikeln anknüpft. Wenn in der Kopfhaut viel DHT vorhanden ist und eine ererbte Überempfindlichkeit dafür besteht, wird die Wachstumsphase (Anagenphase) des Haares verkürzt. Ein glatzköpfiger Mann hat dementsprechend nicht weniger Haarfollikel als ein Mann mit vollem Haarwuchs, lediglich die Wachstumsphase des Haares ist derart verkürzt, dass es kaum noch sichtbar hervortritt. Die Haarfollikel verkümmern nach und nach, was auf die Überempfindlichkeit auf das DHT zurückzuführen ist.
Unempfindlich gegen DHT ist das Nackenhaar, dieses fällt auch bei einer Transplantation auf den Oberkopf nicht aus. DHT entsteht aus der Umwandlung von Testosteron. DHT ist sehr wichtig für die Entwicklung des männlichen Embryos/Fötus und später in der Pubertät für die Umwandlung vom Jungen zum Mann. Welche Funktionen und Wichtigkeit das DHT nach der abgeschlossenen Pubertät hat, ist noch nicht ganz klar. Es hat aber leider auf jeden Fall die negative Eigenschaft, die Haarfollikel auf dem Oberkopf anzugreifen. Man spricht im Zusammenhang damit bei männlichen Jugendlichen, bei denen dies familiär gehäuft auftritt und meistens am Vorderkopf und an den Schläfen beginnt ("Geheimratsecken", "Stirnglatze").
Hormonell bedingter Haarausfall
Haarausfall ist in vielen Fällen auf die Wirkung von Hormonen zurückzuführen. Männliche Hormone, die Androgene genannt werden, haben einen starken Einfluss auf zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper.
2 Arten von Androgenen, das Testosteron und DHT, beeinflussen den Haarfollikel negativ. Wobei das Enzym 5-Alpha-Reductase eine Schlüsselposition am Mechanismus des androgenen Haarausfalls einnimmt. Denn erst das Enzym 5-Alpha-Reductase formt das Hormon Testosteron in die wirksamere Form Dihydrotestosteron (DHT) um, welches jeglichen Androgenrezeptor des Haarfollikels binden kann. Allerdings reagieren verschiedene Arten von Haarfollikeln in unterschiedlichen Regionen der Haut auf das gleiche Androgen differierend.
Dieses Zusammenspiel beider Hormone und ihrer Rezeptoren auf dem Follikel verursachen mehrere Vorgänge die schließlich zum Haarausfall auf der Kopfhaut führen: Die Wachstumszyklen der Terminalhaare auf der Kopfhaut werden stufenweise kürzer, mit einer reduzierten Wachstumsphase. Die Übergangs- und Ausfall- oder Ruhephasen der Haare bleiben beständig und ergeben somit eine Restsumme der verbliebenen Anzahl zunehmender Haarfollikel. Daher vergrößert sich der sonst übliche Anteil von telogenen Follikeln (10%) auf insgesamt (20%). Die betroffenen Follikel werden sowohl an Länge als auch Durchmesser kleiner, dünner, kürzer und spröder.
Es ist zu beachten, dass auch bestimmte Arzneimittel, z.B. Verhütungsmittel mit androgener Restwirkung, den Haarausfall begünstigen.
Hormonell bedingter Haarausfall kann durch Kopfekzeme, fettiges Haar, Schuppen oder infektiöse Erkrankungen gefördert werden.
Auch bei der Frau werden in gewissem Umfang männliche Hormone hergestellt, die bei entsprechender Veranlagung zu Haarausfall führen können. Bei der Frau ist der Haarausfall weniger sichtbar als beim Mann. Das Haar wird zwar dünner, sichtbar kahle Stellen treten aber erst im fortgeschrittenen Stadium auf.
2 bis 4 Monate nach der Entbindung kann es durch die Hormonumstellung zum
Haarausfall kommen, der aber im Allgemeinen nur wenige Monate anhält.
Altersbedingter Haarausfall
Selbst wenn das Vorhandensein von den erforderlichen Genen einerseits, als auch den Hormonen andrerseits nicht ausreichend dafür ist, Haarausfall zu verursachen, kann der Prozess des Haarausfalles ein lebenslanger Prozess sein. Dieser Prozess variiert von Mensch zu Mensch und ist abhängig von dem genetischen Informationsgehalt eines jeden einzelnen und dem Androgenpegel im Blut.
Im hohen Alter kommt es bei beiden Geschlechtern zu einer diffusen Lichtung der Kopfbehaarung - teils durch eine fortschreitende, teils durch neu einsetzende Umwandlung kräftigeren Terminalhaars zu dünnerem Intermediärhaar und Vellushaar.






